Энгелъс – Beginn einer Schulpartnerschaft

Engels ist nicht nur der Name eines bedeutenden Sohnes unserer Stadt, es ist auch der Name einer Stadt an der Wolga in Russland, die früher Pokrowsk hieß und das Zentrum der Wolgadeutschen war, von denen seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr allzu viele übrig sind. Die Stadt Engels liegt – wer hätte das gedacht – 40 km südlich von Marx und fast 1000 km südöstlich von Moskau.

Wie kommen wir nun an eine Schülerpartnerschaft mit Engels?

Es begann im letzten Herbst mit dem Besuch einer Delegation aus Engels, der von dem Verein „Kulturbrücke Wuppertal-Engels“ mit Sitz im Engelshaus koordiniert wurde.

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Frau Sinaida Filimonova, Direktorin des einzigen Gymnasiums in Engels, das etwa so viele Einwohner hat wie Wuppertal, machte sich auf den Weg vom Engelshaus zu unserer Schule, besuchte spontan den Englischunterricht von Frau Münster und war begeistert.

Von den Unterrichtsmethoden, vom fehlenden Wachmann vor der Tür, der generellen Atmosphäre in unserem Haus, dem Empfang des Schulleiters und bekräftigte im weiteren Verlauf ihres Besuchs ihren schon lange gehegten Wunsch, eine Schulpartnerschaft zu gründen.

Zunächst wurde dieser Wunsch auf einer Lehrerkonferenz  bekanntgegeben. Ein Austausch mit Russland ist sicherlich teurer als ein Austausch mit Frankreich, Holland oder England.  Außerdem wird an unserer Schule kein Russisch unterrichtet.

Andererseits gibt es Fördermöglichkeiten von verschiedenen außerschulischen Organisationen, und vor allem ist eine „Öffnung nach Osten“ lange fällig. An unserer Schule gibt es viele Schüler, die selber (oder deren Eltern) aus den verschiedenen Teilrepubliken der ehemaligen Sowjetunion kommen, ihre Herkunftsländer sind vielen bei uns jedoch irgendwie suspekt. Die Begegnung von Jugendlichen unserer Schule mit Jugendlichen aus Russland und die Möglichkeit, den Alltag des Anderen kennenzulernen ist sicher eine großartige Chance.

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So nahmen wir (Herr Schlesinger, Frau Münster und ich) also die Einladung eines Gegenbesuchs nach Engels gerne an und fuhren mit verschiedenen Vertretern der „Kulturbrücke Wuppertal-Engels“ in der Woche vor den Osterferien nach Engels an der Wolga.

Unsere Delegation, die eigentlich aus vier Delegationen bestand (auch vertreten war die Gesamtschule Langerfeld, die Armin-T.-Wegener-Gesellschaft und eben die Kulturbrücke) hatte ein strammes Empfangs- und Begegnungsprogramm zu bewältigen, wir wurden jedoch überall herzlich empfangen und haben uns sehr wohl gefühlt.

Für mich, die ich schon mehrfach in Russland war, verlief der Besuch eigentlich wie erwartet, meine beiden Kollegen waren des Öfteren überrascht. Mietskasernen und pittoreske, aber verfallene Holzhäuser prägen das Stadtbild, die Menschen sind unglaublich gastfreundlich und offen. Draußen war es kalt, die Wolga vereist, und drinnen sehr warm. Das Essen ist vorzüglich und reichhaltig und es steht tatsächlich für die Erwachsenen immer eine Flasche Wodka auf dem Tisch.

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Über Moskau ging es zunächst per Flugzeug nach Saratow, dort wurden wir abgeholt und mit einem klappernden Minibus auf die andere Wolgaseite nach Engels gebracht und von Stund an lückenlos betreut.

Am ersten Tag warteten eine Pressekonferenz auf uns und der Besuch des Landeskundemuseums samt Wuppertalzimmer mit anschließendem vierstündigem Festessen und traditioneller musikalischer Untermalung.

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Am zweiten Tag (es war der 12. April) wurde der 50. Jahrestag des ersten Menschen im All, Juri Gagarin, gefeiert, der unweit der Stadt Engels in der Steppe gelandet war. Wir durften an den Festivitäten teilnehmen und bekamen Urkunden der jungen Kosmonauten Russlands, mit denen wir auch ins Gespräch kamen.

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Die nächsten beiden Tage verbrachten wir im Gymnasium Nummer 8, unserer zukünftigen Partnerschule. Um es kurz zu machen, wir waren begeistert. Es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre, die Lehrerinnen (es gibt einen Mann) sind streng, aber herzlich und die Schüler sind sehr (!) diszipliniert und ehrgeizig.

Sie sind es gewohnt, an Wettbewerben teilzunehmen und die Klassenbesten werden öffentlich prämiert. Schüler und Lehrer sprachen ein sehr gutes Englisch (einige lernen auch Deutsch), was umso bemerkenswerter ist, da kaum einer ins Ausland kommt. Außerdem war die Schule erstaunlich gut ausgestattet.

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Die Schüler standen Spalier für uns, es gab eine Begrüßung in der Aula und Tee und Kekse im Zimmer der Direktorin. Dann ging es durch mehrere Grundschulklassen und überall wurde etwas für uns präsentiert. Ballett und Lieder, Vorträge, Computerpräsentationen, Raketen oder gebastelte Häuser von Kinderhelden.

Und überall gab es Geschenke für uns. Einen Keramikbären für Honig, Pralinen, Basteleien von den Kindern, es ist überwältigend, wie wir hier empfangen werden. Später folgte eine Riesenpräsentation in der Aula: Tanz und Gesang über Gesang. Stundenlang und choreografisch perfekt. Über all dem lag eine entspannte und lustige Stimmung, so dass mir der Gedanke kam, hier möchte ich bleiben.

Am zweiten Tag durften wir in den englischen Klassen unterrichten. Eigentlich war es nicht anders als zuhause, nur für die Schüler war es wohl ungewohnt, mit etwas kreativeren Ideen umzugehen. Jedenfalls hatten wir großen Spaß und ich freue mich darauf, die Schüler hier wiederzusehen.

Nachmittags  hatten sich die Klassenbesten in der Aula versammelt, wo sie uns Fragen zu unserem Schulalltag (Schuluniform, Wettbewerben, Fremdsprachen) stellen durften. Viel zu schnell ging die Zeit herum, wir hätten noch Stunden verbringen können. Es tat uns leid, die Schule zu verlassen, hoffentlich sehen wir uns bald wieder!

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Es wurden noch die Formalitäten für den Austausch, der mit den ersten russischen Besuchern im Oktober beginnen soll, besprochen. Die Schulleiterin ist voller Elan und sehr sympathisch, sie engagiert sich sehr dafür, dass unser Austausch ein voller Erfolg wird.

So hoffen wir, dass wir im Oktober die erste Schülergruppe aus Engels begrüßen können und im nächsten Frühjahr mit einer Schülergruppe aus Wuppertal (Jahrgansstufe EF) erneut nach Engels fahren können, interessante Begegnungen erleben,  unseren Horizont erweitern und geschlossene Freundschaften mit neuem Leben füllen.